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19.03.2017
17:54

Schweinehunde

Haben sie in den letzten Wochen und Monaten auch des Öfteren die Aussage gehört, dass unser Welt aus den Fugen geraten sei – so oder ähnlich formuliert? Mir begegnet sie sehr häufig, und ich kann verstehen, wie Menschen zu dieser Ansicht kommen. Viele gewohnte Abläufe, Strukturen und Wertmaßstäbe scheinen in Frage gestellt, neuen Herausforderungen mit den bekannten Methoden angemessen zu begegnen verspricht – zumindest auf den ersten Blick - wenig Erfolg.

Als Jugendlicher habe ich mich im Rahmen einer Bürgerinitiative zur Wasserversorgung engagiert und mir dabei sehr grundsätzliche Gedanken über den Zustand der Welt gemacht – wie sich das in dem Alter gehört ;) Ein wichtiges Thema war für mich die Frage, ob es denn gerechtfertigt sei, noch Kinder in die Welt zu setzen, wo doch die Probleme so groß und die Lösungen so wenige seien. Meine Mutter meinte damals, jede Generation sei der Meinung, dass es zu ihrer Zeit am Schlimmsten sei und dass die Zukunft immer fraglich erscheinen würde. In den Weltkriegen beispielsweise wäre die Lage viel schlimmer gewesen und in den Zeiten davor – nehmen wir das Mittelalter - wäre das Leben viel schwerer gewesen.

Es macht sicher keinen Sinn, die „Schwere“ oder die „Problematik“ verschiedener Zeiten der Menschheitsgeschichte gegeneinander aufzurechen, aber den entscheidenden Punkt habe ich mir seit dieser Zeit behalten: Es ist schon so viel passiert auf dieser Welt und es gab immer irgendeine Richtung, in die man etwas bewegen konnte, auch wenn es zunächst nicht so aussah. Warum also sollte es nicht auch jetzt und in Zukunft so sein?

Einen Unterschied, den ich für relevant halte, möchte ich aber dennoch nennen: Die Menschheit „entwickelt“ sich in technologischer Hinsicht viel schneller als jemals zuvor, die Möglichkeiten der Veränderung und Einflussnahme auf „alles“ werden extrem rasant immer größer. Der menschliche Körper kommt bei dieser Entwicklung nicht hinterher, wir sind in vielen Dingen – beispielsweise mit unserem Stress-System - immer noch für das Leben in der Steinzeit optimiert. Inwieweit unsere Fähigkeiten und unser Wille zu Selbstreflexion und Moral mithalten können, ist Gegenstand kontroverser Diskussion. Jedenfalls war die Menschheit noch nie so nahe daran, den gesamten Planeten grundlegend zu verändern (Stichworte: Klimawandel, Soziale Netzwerke und ihre Auswirkungen, Waffentechnik, Ressourcenendlichkeit usw.). Ob „zerstören“ dafür der richtige Begriff ist, weiß ich nicht – vielleicht ist entscheidend, dass sich die Überlebenswahrscheinlichkeit bestimmter Arten verändert - insbesondere auch die des Menschen.

Ein Liedermacher hat heute morgen im Radio die Frage, warum er zu diesen Fragen Stellung in seinen Liedern beziehe, geantwortet (sinngemäß): Wir leben (wieder) in Zeiten, in denen es notwendig ist, eine klare Haltung zu haben und auch zu äußern. Und, so möchte ich ergänzen, aus solcher Haltung heraus auch Maßstäbe für das eigene Tun und Lassen zu entwickeln.

Das ist nur selten leicht, haben wir doch viele unterschiedliche Zielrichtungen, Bedürfnissen und Motivationen in uns. Der berühmte Schweinehund will oft etwas anderes als unsere bewussten Entscheidungen. Wie wir mit ihm und anderen inneren Anteilen konstruktiv umgehen und sie nutzen können, ist Thema des nächsten Workshops in der Praxis Hübner am 29. April 2017. Wir haben mehr Fähigkeiten und Kompetenzen, als wir selbst oft glauben. Und vielleicht gelingt es uns durch die Freundschaft mit dem inneren Schweinehund, Dinge zu realisieren, die wir uns zuvor nicht zugetraut haben!

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