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Selbsthypnose mitten in der Nacht
Selbsthypnose mitten in der Nacht

Mein Internetdienstleister wollte umziehen. Nicht er selbst, aber seinen Server und mit ihm meine Internetseite. An einem Donnerstag früh war es soweit, ich bekam eine Mail, dass meine Website (die auf der Sie sich gerade befinden) für 24 Stunden nicht erreichbar sei.
Den ganzen Freitag probierte ich immer wieder, der Platzhalter verschwand nicht. Langsam wurde ich zwar etwas nervös, hatte ich doch in der darauf folgenden Woche ein Seminar angekündigt und hoffte noch auf die eine oder andere Anmeldung über das Internet im Laufe des Wochenendes oder Anfang der Woche.
Allerdings sagte ich mir, dass diese Arbeit bestimmt noch vor dem Abend beendet werden würde, etwas anderes wäre gar nicht denkbar.
Diese Episode hat eine Vorgeschichte.
Ein paar Änderungen an dieser Website hatten sich über Wochen hingezogen, da mein Internet-Mann krankheitsbedingt ausgefallen war. Nun stand natürlich auch die Befürchtung im Raum, dass auch der Umzug Tage dauern könnte. Inzwischen war es Freitag Nachmittag und die Arbeitswoche näherte sich dem Ende ...
Am Abend war ich mit einem Seminar beschäftigt und kam recht spät heim, machte sofort den Rechner an und erschrak – der Platzhalter war immer noch zu sehen. Meine aufkeimenden Befürchtungen sollten wahr werden! Ärger und Wut stiegen in mir auf und das gesamte Arsenal negativer Gedanken und Gefühle kam herauf: Die Seite würde tagelang nicht mehr erreichbar sein, Interessenten würde die Motivation verlieren, finanzielle Verluste durch fehlende Teilnehmer entstünden, meine Rechte als Kunde wären nicht geachtet worden und so weiter ...
Und das Schlimmste in diesem Moment war, ...
.... dass ich nichts, aber auch gar nichts tun konnte. Es war nach Mitternacht, weder ein Anruf noch sonst irgend einen Versuch, etwas zu unternehmen kamen in Frage. Ich war dazu verdammt, diesen Ärger mindestens bis zum nächsten Morgen zu ertragen. Eigentlich war jetzt die Zeit um zu schlafen, aber in der Verfassung war an Schlaf nicht zu denken! Ich würde mich stundenlang damit beschäftigen, was ich am nächsten Morgen tun könnte, immer durchsetzt von Gedanken daran, was alles schief gehen würde durch die Situation.
All dies geschah in ein paar Sekunden. Es geschah mit mir, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Plötzlich war ich in dieser negativen Stimmung, ohne bewusst etwas dafür oder dagegen getan zu haben. Aber das, was da in mir abgelaufen war, konnte ich mir jetzt bewusst machen. Ich konnte es ansehen als das, was es war.
Da gab es eine zweifellos unglückliche Situation, ...
... die durchaus Folgen haben konnte, schließlich ist die Website ein wichtiges Medium für meine Praxis. Auch hatte ich das Recht durchaus auf meiner Seite, es gab einen Auftrag und eine Zusagen für die Erledigung, die überzogen worden war. Aber es gab auch eine Zukunftsvorstellung, die letztlich reine Phantasie war: Ich konnte keine Ahnung haben, ob die Seite tatsächlich noch länger offline sein würde und ob ich wirklich Verluste erleiden würde, würde ich nie mit Sicherheit erfahren. Auch konnte ich nicht wissen, warum es dazu gekommen war, vielleicht gab es ja eine Erklärung, die auch für mich Sinn machte. Ich musste also „nur“ diese Phantasie loslassen, und einer ruhigen Nacht stünde nichts im Wege.
Da sagt sich so leicht, ...
... denken Sie jetzt vielleicht, aber wie schaffe ich das? Die negativen Vorstellungen, die sich wie automatisch in mir entwickelt haben, sind nicht mehr und nicht weniger wirklich als andere Vorstellungen. Ich kann sie also durch positive Bilder und Gedanken ersetzen.
In diesem Fall waren es zwei Ideen.
Zum einen stellte ich mir den Menschen der Internetfirma vor (ich hatte ein Bild von seinem Gesicht im Kopf), der gesundheitliche Probleme hatte und konzentrierte mich darauf, mitfühlend zu sein und ihm gute Wünsche für seine Gesundheit zu schicken. Dabei kommt es nicht so sehr darauf an, dass ich tatsächlich glaube, dass solche mentalen Wünsche bei der anderen Person ankommen, sondern einzig darauf, dass ich meine Aufmerksamkeit auf etwas Positives ausrichten kann. Wenn ich glaube, dass die Energie hinter dieser Vorstellung auch eine Wirkung außerhalb von mir haben könnte, kann dies zusätzliche Motivation bringen, notwendig ist es aber nicht.
Mir half auch noch ein Perspektivenwechsel, ...
... nämlich der Gedanke daran, dass ich selbst die Gesundheit möglichst immer über das Geschäft stellen würde und daher der vermutete Grund für die Verzögerung meinen eigenen Wertvorstellung entsprechen würde.
Die zweite Idee war es, daran zu denken, dass der Computerfachmann sich am Samstag früh als erstes mit meinem Projekt beschäftigen würde und die Webseite wieder online sein würde, bevor ich selbst meinen PC anschalten würde. Auch hier spielt es nicht die entscheidende Rolle, ob ich an eine Fernwirkung solcher Gedanken glaube oder nicht.
Der Gedanke, jetzt „eh nichts tun zu können“ hätte mir dagegen in dieser Situation wenig geholfen, da genau das das war, was mich so wütend machte.
Meine negativen Gedanken ...
... waren zwar immer noch da, aber sie hatten quasi „Konkurrenz“ bekommen. Für mich war an dieser Stelle wichtig, mir noch einmal bewusst zu machen, dass die Situation tatsächlich unangenehm war. Damit konnte ich meinen Ärger auch als angemessen anerkennen, um mich dann von ihm verabschieden zu können. Ich musste nicht gegen ihn kämpfen, sondern konnte ihn entlassen, da er seine Aufgabe erfüllt hatte.
Ein paar Minuten habe ich mich auf diese neuen Sichtweisen fokussiert und merkte sofort, wie ich innerlich ruhiger wurde. Als zusätzliche Sicherheit suchte ich mir noch etwas aus, auf das ich mich im Bett konzentrieren würde, falls sich mein Geist noch mal mit Ärger melden sollte. Da ich an diesem Tag eine neue Matratze bekommen hatte, war das nicht schwer – ich hatte sowieso vor, ganz bewusst das neue Liegegefühl zu genießen. Als ich ins Schlafzimmer ging, waren die negativen Emotionen verflogen und ich habe eine sehr erholsame Nacht verbracht.
Und was hat das mit Selbsthypnose zu tun?
Wo war die Trance? Die geschilderte Episode enthält tatsächlich alle wichtigen Merkmale der Selbsthypnose: die fokussierte Aufmerksamkeit, die Arbeit mit Imaginationen und die Wirkung des Bewussten auf das Unbewusste bzw. den unwillkürlichen Bereich.
Ich war in zwei verschiedenen Trancen.
Zuerst in der Problemtrance: In einem Aufmerksamkeitsfokus gab es nur die negativen Aspekte der Situation, ich hatte eine Phantasie über die möglichen negativen Folgen und mein Körper reagiert unwillkürlich mit Erregung und Unruhe, erhöhtem Pulsschlag und Wachheit sowie den geschilderten Emotionen. Diese Problemtrance habe ich durchbrochen, indem ich bewusst meine Aufmerksamkeit auf hilfreichere Aspekte gelenkt habe und so die Lösungstrance eingeläutet habe. Schließlich war meine Aufmerksamkeit auf Mitgefühl und Zuversicht gelenkt, meine Phantasie betraf eine entspannte Lösung am kommenden Tag und mein Körper folgte diesen Gedanken mit Ruhe, Entspannung und schließlich einem guten Schlaf.
Wie fast alles im Leben ist auch dies eine Fertigkeit, die man lernen und üben kann. Je öfters Sie sich durch eine solche Kurz-Selbst-Hypnose helfen, desto leichter fällt es beim nächsten Mal und desto passender werden Ihre individuellen Vorstellungen, mit denen Sie am Besten arbeiten könne
Am folgenden Morgen klärte sich die technische Frage übrigens recht leicht auf. Es wäre schade gewesen, wenn ich dafür meine Nachtruhe geopfert hätte. Aber das wusste ich dank der Selbsthypnose schon in der Nacht.
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