Blog

30.12.2016
16:44

Zeit zwischen den Jahren

Zeit zwischen den Jahren

Ich weiß nicht, ob Sie ab und zu nach Bad Dürkheim kommen. Wenn ja, dann haben Sie vielleicht schon die Countdown-Uhr am Kreisel neben dem Dürkheimer Riesenfass gesehen: Eine große Digitaluhr, die die Tage, Stunden, Minuten und Sekunden bis zum nächsten "Wurstmarkt" anzeigt. Der "Wurstmarkt" ist für Dürkheim das, was das Oktoberfest für München oder das Cannstatter Volksfest ("Wasen") für Stuttgart ist. Mir geht es heute aber nicht so sehr um das Feiern oder die Frage, welchen Sinn so ein Countdown hat, sondern vielmehr darum, was so eine Uhr für Wirkungen hat.

Ich fahre fast jeden Tag an dieser Uhr vorbei, die unerbittlich anzeigt, wie die Zeit verrinnt. Anfangs habe ich den Kopf geschüttelt und mich dann immer öfters geärgert, daß diese Uhr mich jeden Tag auf Neue "anglotzt" und zu sagen scheint: "Die Zeit rennt und Du kannst nichts dagegen tun!". Und ich wollte mir nicht vorschreiben lassen, wann und wie ich über die Zeit nachzusinnen habe. Die Uhr zu ignorieren war zwar nicht schwer, aber immer wenn ich dann doch mal darauf geschaut habe, war der Schreck um so größer: Schon wieder ein Zehner weniger. Die Wirkung hat sich potenziert. Irgendwann habe ich mich dann umgestellt: Ich schaue nun jedes Mal ganz bewusst auf die Uhr und versuche, sie als Erinnerung dafür zu nehmen, jeden einzelnen Tag ebenso bewusst zu leben. Seither geht sie irgendwie langsamer ;)

Die Wurstmarkt-Fans sehnen die Zeit, an der die Uhr auf Null steht, sicher herbei, sie freuen sich auf die "tollen Tage". Bei so einem "Countdown" schwingt immer ein wenig der Wunsch mit, die Zeit möge schnell vorbei gehen. Sicher kennen Sie auch solche Ereignisse, auf die Sie sich ganz besonders freuen. Diesen Wunsch teile ich aber nicht - egal was denn da kommen möge. Die (Lebens-)Zeit soll für mich nicht schnell vorbei gehen, sondern möglichst langsam und wenn es geht genussvoll. Im Alltag, der voll ist von vielfältigen Terminen und Aktivitäten empfinde ich die Zeit oft als rasend. Manches läuft ohne allzu viel Aufmerksamkeit nebenher, manches auch in voller Aufmerksamkeit, im "Flow", aber oft wird mir erst nachher bewusst, wie viel Zeit in dieser Zeit tatsächlich vergangen ist. Auch hier geht es wieder um Aufmerksamkeit und Achtsamkeit - je mehr ich bewusst wahrnehme und bewusst erlebe, desto mehr passt in die Zeit und desto langsamer scheint sie zu vergehen. Die größte Herausforderung ist es dann, in unangenehmen Situationen - nehmen wir als Beispiel mal den Besuch beim Zahnarzt - den Wunsch, die Zeit möge schnell vergehen, sein zu lassen. Denn auch diese Zeit ist Lebenszeit, begrenzt und wertvoll.

Die Metapher von der Balance trifft meiner Meinung nach auch hier wieder ins Schwarze. Mehr Langsamkeit und Entschleunigung erlaubt mehr Achtsamkeit und Entspannung. Dennoch leben wir in unserer Gesellschaft auch ein Leben, zu dem auch schnelle Aktivitäten, Leistung und ein gewisses Maß an "Stress" gehören. Von beidem das für einen selbst passende Maß zu finden ist wohl die hilfreichste "Strategie". Und manchmal ist es vielleicht doch am Besten, wenn ein (möglichst kleines) Stück Zeit auch mal schnell vergeht.

Ich wünsche Ihnen und Euch eine stets gute solche Balance und einen schönen Start in eine tolles neues Jahr 2017!

17.09.2016
16:45

Ziele und Bedürfnisse

Bei diesem wunderbaren Spätsommerwetter wünsche ich Ihnen (und Euch), daß Sie die Möglichkeit haben, einige Zeit draußen zu verbringen, die Sonne zu genießen und frische Luft zu tanken. Klar geht das nicht immer, die meisten von uns müssen arbeiten - entweder als Erwerbstätige oder im Familienzusammenhang, oft mit Kindern oder Pflegebedürftigen. Dann gilt es, ganz unterschiedliche Wünsche, Bedürfnisse und Ziele unter einen Hut zu bringen. Das ist selten einfach, aber immer möglich. Das Zauberwort heisst "Kompromiss". Ich kenne viele Menschen, für die dieses Wort einen negativen Beigeschmack hat, aber es bezeichnet das, was eine der wichtigsten "Lebenskünste" ist. Wenn Sie Ideen kennen lernen und ausprobieren wollen, wie sie beispielsweise den berühmten "inneren Schweinehund" zu Ihrem Freund machen wollen oder wie sie am besten kommunizieren, wenn Sie in ihrem Inneren noch nicht mit sich selbst einig sind, dann finden Sie etwas in den aktuellen Angeboten.

Ein besonders ausgprägtes Bedürfnis nach Sicherheit haben Menschen, die in ihrer Lebensgeschichte ein großes Leid erfahren haben. Eine solche Erfahrung wird als "Trauma" bezeichnet. Im Zusammenhang mit den vielen Menschen, die auf der Flucht sind, wird oft von der "Posttraumatischen Belastungsstörung" gesprochen. Damit sind ganz unterschiedliche Symptome gemeint, die ihren Ursprung in solchen zutiefst verstörenden und ängstigenden Erlebnissen haben. Es gibt auch hierfür ganz verschiedene therapeutische Methoden, so wie jeder Mensch und seine Geschichte einzigartig sind. In jedem Fall sollten hier Profis mit Erfahrungen in der Traumatherapie genutzt werden. Dennoch haben viele Menschen wie LehrerInnen oder Fachkräfte in Betreuungseinrichtungen in ihrem beruflichen Alltag mit traumatisierten Menschen zu tun und erleben sich dabei als überlastet und alleingelassen. Gerade der Umgang mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen kann sehr fordernd sein. Wer Möglichkeiten erfahren möchte, das scheinbar unangemessene Verhalten traumatisierter Kinder und Jugendlichen zu verstehen, um ihnen die richtige und notwendige Aufmerksamkeit und angemessene Antworten zu schenken, damit sie in Schule und Betreuungseinrichtungen besser leben und und lernen können, dem sei das APS-Seminar von Holger Weithöner in Frankfurt ans Herz gelegt.

Manchmal kann es sinnvoll sein, scheinbar gegensätzliche Ziele nicht gegeneinander aufzuwiegen, sondern der Reihe nach zu berücksichtigen. So habe ich jetzt den Beitrag geschrieben, von dem ich hoffe, daß er Ihnen nützliche Informationen bringt, und werde anschließend einen leckeren Kaffee genießen ;)

19.07.2016
17:30

Perspektivwechsel

Wenn man derzeit nach einem aktuellen Aufhänger sucht, um gesellschaftlich relevante Themen einzuleiten, hat man eine reiche Auswahl an Ereignissen, die mit viel Leid verbunden sind und Angst machen können. Der „Brexit“ mutet dabei noch vergleichsweise harmlos an, wenn man die Flüchtlingssituation, die unzähligen Attentate und das, was gerade in der Türkei passiert ist und immer noch passiert, Revue passieren lässt. Die Veränderungen in der Welt scheinen sich in immer höherer Schlagzahl zu vollziehen und ein Überblick, ein Verstehen immer schwieriger zu werden. Viele Handlungen von anderen Menschen sind schwer nachvollziehbar, alles scheint unsicherer und damit auch bedrohlicher zu werden.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch unser privates Leben, in dem die großen Themen aus Politik und Gesellschaft – zumindest scheinbar – ausgeblendet werden können. In dem wir uns mit uns und unseren Bedürfnissen beschäftigen können und mit den Menschen in unserer Familie bzw. Freundeskreis. Hier kennen wir uns (mehr oder weniger) aus, wir verstehen die Welt auf dieser Maßstabsebene im Wesentlichen, sie macht für uns Sinn und wir können handeln, können die Dinge in unserem Sinne steuern und beeinflussen.

Verstehen, handeln können und Sinn erkennen, das sind die drei Komponenten des „Kohärenzgefühls“, mit dem Aaron Antonovsky im Rahmen der „Salutogenese“ (Wie entsteht Gesundheit?) beschreibt, was zu einem Erleben von „Gesundheit“ gehört. In diesem Sinne wäre unsere kleine persönliche Welt eher dazu angetan, uns gesund bleiben zu lassen als die große, globale. Dennoch lassen sich beide nicht voneinander trennen, sie sind vielfach miteinander verwoben. Die Angst vor fremden Menschen in unserer alltäglichen Umgebung ist nur ein Beispiel von vielen.

Wir erleben immer nur einen Ausschnitt dessen, was um uns herum geschieht. Wir wählen unbewusst aus, welche der unendlich vielen Informationen in unser Bewusstsein kommen (wir nennen das dann „Wahrnehmung“) und welche nicht. Je bewusster wir uns darüber sind, dass und wie wir auswählen, desto besser können wir mit dieser „Wahrnehmung“ umgehen. Und uns bewusst entscheiden, manchmal das große Bild anzuschauen und manchmal nur einige Detailaspekte.

Ich wünsche Ihnen gutes Gelingen dabei!

10.07.2013
01:36

Großzügig oder gerecht?

 

Möchten Sie eine gerechte Gesellschaft, eine gerechte Bewertung von  Leistungen, eine gerechte Bezahlung, gerechte Strafen? Die meisten werden auf diese Frage wohl mit "ja" antworten, Gerechtigkeit wollen wir alle. Möchten Sie auch eine großzügige Gesellschaft? Eine Stelle, die sehr gut bezahlt wird, besser als der Durchschnitt? Ein Lob, auch wenn sie in dem konkreten Projekt vielleicht gar nicht so viel geleistet haben? Eine milde Bestrafung, obwohl sie sich eines Vergehens schuldig gemacht haben? Beides ist nicht so einfach miteinander in Einklang zu bringen, genau besehen widersprechen sich beide Ideen. Wenn ich im Einzelfall großzügig bin, bin ich immer auch ungerecht, da ich nicht in alles Fällen großzügig sein kann.

Gerne sehen wir, je nach dem in welcher Situation  sind, die Sache von der einen oder von der anderen Seite. Zum Beispiel sind Lehrer oft in einem Dilemma. Angenommen, für die  Abgabe einer Hausarbeit wurde ein fester Termin festgesetzt. Einige  Schüler fragen, ob sie auch noch einen Tag später abgeben dürfen. Der Lehrer korrigiert erst später und nimmt die Arbeiten daher noch an. Daraufhin beschweren sich die Schüler, die sich die Mühe gemacht haben,  den Termin einzuhalten, wegen Ungerechtigkeit. Entweder, der Lehrer setzt solche Termine "ohne Rücksicht auf Verluste" durch und sorgt so für 100%ige Gerechtigkeit, oder er versucht, den  Schülern so viel wie möglich entgegen zu kommen und möglichst viele  Leistungen mit möglichst wenig Druck zu ermöglichen - das dann mit der  Preis, dass solche Ungerechtigkeiten nicht zu vermeiden sind. Was wäre los, wenn der Lehrer die verspätet abgegebenen Ausarbeitungen nicht mehr angenommen hätte? Es wäre sicher gerecht gewesen, auch berechtigt, denn der Termin war vielleicht lange kommuniziert. Aber was  wäre dadurch gewonnen? Die Schüler, die sich ungerecht behandelt fühlen, hätten dadurch auch keine bessere Note erhalten. Dennoch ist es aus Ihrer Sicht in ihrer Situation nachvollziehbar, daß sie sich ärgern.

Ich persönlich denke, daß sich solche keinen Ungerechtigkeiten im Laufe der Zeit immer ausgleichen und daß so viel Großzügigkeit, wie praktikabel vertretbar ist, die beste Lösung ist.

Im Leben begegnen wir oft solchen Fragen, manchmal lassen Sie uns über eine lange Zeit nicht mehr los. Die Arbeit mit und an der eigenen Biographie oder auch ein (vorläufiger) Lebensrückblick kann für solche Fragen hilfreich sein: „Lose Enden“ wie offene Situationen und Beziehungen klären, sich selbst und seine Fähigkeiten und Erfolge neu kennen lernen und die eigene Lebens-Geschichte verstehen. Lassen Sie sich in unserem Seminar "Lebens-Landschaften" inspirieren zu einer Reise durch die Landschaft des eigenen Lebens, mit Höhenzügen und tiefen Schluchten, reißenden Flüssen und ruhigen Seen, offener Natur und verbauter Stadt.

30.05.2013
13:42

Alles im Leben hat seinen Sinn

Vor kurzem hat mir meine Freundin eine schöne kleine Geschichte geschickt, sie heisst „Alles im Leben hat seinen Sinn“:

"Ein König hatte einen Minister, der bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit sagte: "Alles im Leben hat seinen Sinn". Nach einiger Zeit hatte der König diesen Satz so oft gehört, dass er ihn nicht mehr ertragen konnte. Einst waren die beiden auf der Jagd. Der König schoss einen Hirsch und schnitt sich beim Zerlegen ein Stück seines Fingers ab. Der Minister sagte wieder einmal: ‚Alles im Leben hat seinen Sinn".

Das war zu viel für den König und er befahl dem Minister wütend, sich fortzuscheren. Er wolle ihn nie wieder sehen. Der Minister ging. Wenig später wurde der König von wilden Räubern, Anhängern der Göttin Kali, überfallen. Er sollte ihrer Göttin Kali geopfert werden. Im letzten Moment bemerkte einer der Kali-Anhänger den verletzten Finger. "Dieser Mann ist unvollkommen, er ist verletzt. Unserer Göttin darf nur Vollkommenes geopfert werden." Und sie ließen ihn laufen.

Der König erinnerte sich an die Worte des Ministers: "Alles im Leben hat seinen Sinn" und begriff: Genau so ist es. Auch in diesem Fall. Er fühlte sich schuldig, weil er den Minister verbannt hatte und ließ ihn suchen. Als er gefunden wurde, entschuldigte sich der König.

Der Minister antwortete: "Du brauchst dich nicht zu entschuldigen. Ich bin dankbar, dass du mich fortgeschickt hast. Denn wäre ich bei dir gewesen, hätten die Männer mich geopfert. Ich war unverletzt." Alles im Leben hat seinen Sinn." (Autor unbekannt)

Eine schöne Geschichte, nicht? Sie macht Hoffnung und tut einfach gut. Und doch gibt es für die meisten Menschen auch die Situationen, in denen es uns unmöglich erscheint, einen Sinn zu finden in dem, was wir gerade erleben. Vielleicht beim plötzlichen Tod eines geliebten Menschen, beim Verlust des Arbeitsplatzes oder bei einer Trennung. Manche Erlebnisse scheinen uns sinn- und rat-los zu machen.

Oft suchen wir dann nach dem Sinn eines Erlebnisses, als sei er irgendwo verborgen und müsse ent-deckt werden, oder als müsse sich dieser Sinn uns offen-baren. Eine andere Herangehensweise wäre es aber, diesen Sinn selbst zu erschaffen, indem wir uns eine neue Sichtweise suchen, in der das Erlebnis einen Sinn erhält. Das mag auf den ersten Blick noch schwerer erscheinen, aber es gibt uns die Möglichkeit des aktiven Handelns zurück.

Die Technik, die Sie dafür brauchen, ist die Selbsthypnose. Sie erlaubt es uns, unsere Aufmerksamkeit auf das zu richten, was uns gut tut und hilft – so auch auf einen möglichen Sinnzusammenhang in dem, was wir gerade erleben. Es ist eine kreative Technik, in der wir das, was auf uns wirkt, verändern können. Und es ist eine Technik, die wir üben können und in der wir durch Übung immer besser werden. Und damit steigt auch die Zuversicht, sich selbst helfen zu können – auch in sinnlos erscheinenden Situationen.

Das nächste Seminar findet am 8. und am 9. Juni bei uns in der Praxis statt. Die aus meiner Sicht wichtigste Rückmeldung der bisherigen Teilnehmer ist es, dass sie erfahren haben, dass Hypnose nichts Unbekanntes, Kompliziertes oder gar Bedrohliches ist, sondern dass wir alle es jeden Tag tun – und zwar unbewusst. Was es zu lernen gilt, ist, sie zielgerichtet für die eigenen Bedürfnisse und Veränderungswünsche einzusetzen. Und genau dafür bieten wir Ihnen unsere bewährten innovativen Seminare an.

Welche Erfahrungen haben Sie mit der Frage nach dem Sinn gemacht? Schreiben Sie einen Kommentar!

Ich wünsche Ihnen einen schönen Feiertag und freue mich auch anregende und hilfreiche Veranstaltungen!